In ihrem Jahr der Führung widmet sich die Universität 2026 jeden Monat einer der neun Leitlinien. Im Mai steht das Thema Diversität und Führung im Mittelpunkt: In einer Podiumsdiskussion anlässlich des Deutschen Diversity-Tags am 19. Mai haben Lia Alessandro, Doktorandin an der Theologischen Fakultät, Prof. Dr. Jürgen Kleine-Vehn, Sprecher des Exzellenzclusters CIBSS, und Dr. Eva Voß, Vorstandsvorsitzende der Charta der Vielfalt und Mitglied im Universitätsrat, zum Thema Inclusive Leadership diskutiert. Im Interview erklären sie, wie Führungskräfte Raum für Diversität schaffen und wie das wissenschaftliche Innovation beflügelt.
Frau Alessandro, Herr Kleine-Vehn, Frau Voß, warum war es Ihnen persönlich wichtig, an der Podiumsdiskussion teilzunehmen?
Lia Alessandro: Mir war es mit Blick auf das Jahr der Führung und auf die Führungsleitlinien wichtig, die Perspektive und Erfahrungen einer Person einzubringen, die geführt wird. Ich habe als Erstakademikerin mit Migrationshintergrund institutionelle Diskriminierung erlebt und war von Klassismus betroffen. Zudem beschäftige ich mich an der Katholisch-Theologischen Fakultät mit queer-feministischen Fragestellungen innerhalb des Religiösen. Es braucht mehr Sichtbarkeit für solche auf den ersten Blick kontraintuitive Vielfaltsaspekte, die ich in die Diskussion einbringen will.
Jürgen Kleine-Vehn: Meine Motivation hat zwei Seiten. Die eine Seite ist wissenschaftlich begründet – wir brauchen die schlausten Köpfe in Freiburg und möchten ihnen ein Umfeld bieten, in dem sie ihr Potenzial entfalten können. Dafür müssen sie sich zugehörig fühlen. In meiner Arbeitsgruppe arbeiten Menschen aus zehn Nationen. Das macht sehr viel Spaß, hat aber auch seine Herausforderungen, die ich aber gerne annehme. Die andere Seite ist persönlicher Natur. Ich bin auch Erstakademiker, ich weiß, wie es sich anfühlt, irgendwo dazuzukommen, die Regeln nicht zu verstehen, sich nicht zugehörig zu fühlen und erst seine eigene Rolle finden zu müssen.
Eva Voß: Als ich noch an der Universität Freiburg gearbeitet habe, hatte ich eine der besten Führungskräfte, mit der ich bislang zusammenarbeiten durfte. Das war für mich immer ein Maßstab, auch als ich später in die Wirtschaft gewechselt bin. Da ich weiß, dass gute Führung kein Selbstläufer und kein Selbstzweck ist, finde ich es sehr gut, dass es die Führungsleitlinien an der Universität Freiburg gibt und dass wir darüber sprechen, wie wir eigentlich miteinander umgehen wollen.